Bücher, die die Welt verändern: Die Asche meiner Mutter

Es gibt Bücher, die unterhalten und amüsant sind und es gibt Bücher, die das Leben verändern. Frank McCourts Roman „Die Asche meiner Mutter“ ist ein solches Buch, nach dessen Lektüre man die Welt mit anderen Augen sieht.

Der irische Schriftsteller, der bereits 2009 gestorben ist, hat in dem berühmten Roman über seine schwere Kindheit geschrieben. McCourt wurde als Sohn irischer Einwanderer 1930 in New York geboren. Im Zuge der amerikanischen Depression siedelte die Familie zurück nach Irland, nach Limerick, wo die Mutter ihre Kinder durchzubringen versuchte – während ihr Mann jeglichen Lohn, den er unregelmäßig bekam, in den Kneipen durchbrachte.

Frank McCourt schildert sein Leben schonungslos und ehrlich: Die Armut, in der er und seine Brüder aufgewachsen sind. Die Geschwister weinten vor Hunger, es gab matschiges Brot mit Zucker – wenn es überhaupt mal etwas gab -, die Familie teilte sich zu fünft eine Matratze voller Flöhe. Wenn man Schuhe mit kaputten Sohlen an den Füßen hatte, war man noch gut dran: Es gab viele Kinder, die barfuß zur Schule kamen. Schweinskopf mit Kartoffeln war an Weihnachten ein Festmahl, Elektrizität war ein ferner Traum, die ganze Gasse teilte sich eine Toilette. Kein Wunder, dass die Mutter drei ihrer Kinder begraben musste – die medizinische Versorgung, mangelnde Hygiene und die extreme Unterernährung hatten ihren Tribut gefordert.

Raus aus der Armutsspirale

Frank McCourt schafft es aber, das alles hinter sich zu lassen. Er entwickelt sich wie ein normales Kind, findet als Jugendlicher Jobs und spart viele Jahre, um sein Leben in Limerick hinter sich zu lassen und in den USA nochmal neu anzufangen. Was er geschafft hat: Der Ire arbeitete als Englischlehrer und bekam für sein Werk den Pulitzer Preis. McCourt schafft aber noch viel mehr: Er berichtet ganz neutral von seinem Leben, ohne Groll gegenüber den Menschen, die es besser hatten als er. Er zeigt nicht mit dem Finger auf sie, jammert nicht, hadert nicht mit seinem Schicksal. Dadurch beweist er eine enorme Geistesstärke und beschämt unsereins, denen es so gut geht und die wir uns dennoch über so vieles beschweren. Der Job! So wenig Zeit! Der Einkauf war so teuer, der Urlaub hat so viel Geld gekostet! Warum kann sich XY das große Haus und im Urlaub das 4-Sterne-Hotel leisten? Dieses Buch öffnet einem die Augen, in was für einem Luxus wir leben.

Es ist erschreckend zu lesen, wie schlecht es den Menschen in Europa vor nicht allzulanger Zeit noch ging. Aber es erschreckt noch mehr, wenn man daran denkt, dass es so vielen Menschen heutzutage auf der Welt immer noch so ergeht. Dieser Gedanke erfüllt einen durchaus mit Demut und mit Scham, aber eben auch mit Dankbarkeit. Vor fünf Jahren habe ich auf meiner Irlandreise Limerick besucht. Damals hatte ich das Buch noch nicht gelesen, wusste aber, dass die Menschen dort früher ziemlich arm gewesen sind. Jetzt habe ich eine noch viel genauere Vorstellung. Was für ein Segen, dass man selbst zu einer anderen Zeit in einem anderen Land geboren worden ist. Dieses Buch sollte jeder mal gelesen haben. Den Pulitzer Preis hat Frank McCourt eindeutig zu recht erhalten.

Arm oder reich? Warum Nationen scheitern

Warum sind einige Nationen wohlhabend, demokratisch und lassen ihre Bürger an politischen und wirtschaftlichen Prozessen teilhaben – während andere Staaten unter machthungrigen Personen leiden, die ihre Bürger ausbeuten und sie an der gesellschaftlichen Teilhabe hindern? Dieser Frage gehen die Wissenschaftler Daron Acemoglu und James Robinson in ihrem Werk „Warum Nationen scheitern“ nach.

Die Autoren behaupten, dass einige (zugegebenermaßen klischeebehafteten) Theorien mit ihren kulturwissenschaftlichen oder geografischen Ansätzen die Unterschiede auf der Welt nicht erklären können, und entwickeln in ihrem Buch einen neuen Ansatz.

Wohlstand kann dort am besten gedeihen, wo sich inklusive politische und wirtschaftliche Institutionen ausbilden, sagen Ökonom Acemoglu und Politologe Robinson und meinen damit Systeme wie „unsere“ Demokratien der „westlichen Welt“, die Bürger mitbestimmen lassen, Eigentumsrechte durchsetzen, faire Wettbewerbsbedingungen und ein unabhängiges Rechtssystem zulassen. Begrenzt ist Wohlstand auch in anderen Systemen möglich, als Beispiel dienen den beiden Wissenschaftlern die ehemalige Sowjetunion mit ihrer Planwirtschaft und das heutige China, was ja immer noch kommunistisch geprägt ist, sich mittlerweile dennoch wirtschaftlich stark geöffnet und reformiert hat. Doch nur die inklusiven Systemen erzeugen nachhaltig Wohlstand, davon sind die Autoren überzeugt.

Doch warum haben sich in einigen Ländern der Erde solche Systeme entwickelt und in anderen nicht? Hier gibt das Ökonomen-Politologen-Duo einen interessanten und analytischen Einblick in die Geschichte und erklärt mit seiner Theorie, warum die industrielle Revolution gerade in Großbritannien ihren Anfang nahm und wie es dazu kam, dass sich die politische Macht auf viele Schultern verteilte und somit Schub für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung gab – während in anderen Regionen die Macht in den Händen eines Königs oder einer Dynastie vereint blieb und sich die Gesellschaften bis heute nicht davon erholt haben. Warum spielt das Thema Leibeigenschaft im Mittelalter eine so große Rolle und was für Auswirkungen hatte das Wüten der schwarzen Pest im 14. Jahrhundert? Was hat die europäische Kolonialisierung mit der Armut in so vielen afrikanischen Staaten zu tun (eine Menge!) und sind die Entwicklungen immer vorgeben, oder kann man Teufelskreise auch durchbrechen – oder sind sogar demokratische wohlhabende Systeme dem Risiko, ein failed state zu werden, ausgesetzt?

Die beiden Autoren entwickeln ihre Theorie anhand von vielen Beispielen aus der ganzen Welt und aus allen Epochen. Manchmal kommt man durch die Sprünge zwischen den verschiedenen Jahrhunderten und Kontinenten kaum hinterher. Das Werk ist keine locker-flockige Bettlektüre, bietet aber auf knapp 600 Seiten einen guten Überblick über das Zusammenspiel von Wirtschaft, Politik und geschichtlichen Entwicklungen. „Aha-Effekte“ sind garantiert, das Buch macht definitiv Lust, sich mehr mit diesem Thema zu beschäftigen.

„Warum Nationen scheitern“ – von Daron Acemoglu und James A. Robinson, www.fischerverlage.de

Der Kameracheck: Canon 100D mit 24mm Festbrennweite

Es war Zeit für eine neue Kamera. Bislang bin immer mit einer Nikon unterwegs gewesen. Die hat aber als Kameraseniorin immer mehr Macken gezeigt und so stellt sich die Frage: Mal einschicken und gegebenenfalls reparieren lassen oder direkt eine neue Kamera kaufen?

Ich entschied mich für letzteres: Es wurde eine Canon 100D, die kleine Schwester der 700D. Mit allen Features und Funktionen, nur viel leichter und kompakter (knapp 400 Gramm). Lediglich das ausklappbare Display fehlt, aber das kann ich verschmerzen. Alles andere ist da: Touch-Display, man kann damit filmen (allerdings ist der Fokus etwas langsam), alles in allem gewohnt gute Canon-Qualität. Das Experiment: Eine Festbrennweite. Die hat den Vorteil, dass die Blende weit aufgemacht werden kann und somit viel Licht durch die Linse fällt. So kann man auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch viel rausholen, ohne sich dumm und dämlich zahlen zu müssen. Im Gegensatz zu lichtstarken Zoomobjektiven, die sehr viel kosten, da wird man ja arm von.

Weiterer Vorteil der großen Blende: Das Objekt kann man schön „freistellen“, wie es im Fotografensprech heißt. Also den Hintergrund unscharf werden lassen. Diese Effekt war mir besonders wichtig. So kommt noch jedes unscheinbare Blatt zur Geltung und die Fotos machen immer etwas her.

Ja, klar, der Nachteil der Festbrennweite ist, dass man sich festlegt. Ich habe mich für ein 24mm-Objektiv entschieden, also ein leichtes Weitwinkel. Zählt aber (wenn man die Brennweite mit dem Cropfaktor in Vollformat umrechnet) mit 38mm zu den Reportagebrennweiten. Porträts sind also ungünstig, aber Landschaften und Street-Szenen lassen sich damit gut einfangen. Und dennoch ist das Weitwinkel noch nicht so groß, dass es an den Rändern verzerrt. Nach den ersten Tests bin sowohl mit Kamera wie auch Festbrennweite zufrieden.

IMG_0606Die Festbrennweite ist lichtstark und mit der Blende 2,8 kann man den Hintergrund schön unscharf werden lassen. Allerdings darf man nicht zu nah an das Objekt herangehen (ist ja schließlich kein Makro), sonst wird alles unscharf. Autofokus funktioniert einwandfrei, doch der manuelle Fokus ist laut! Das Objektiv gab es zu dem Preis nur mit STM (Stepping Motor Technologie), also Schrittmotor, statt mit einem USM (Ultraschallmotor). Als ich mir Testberichte durchgelesen habe, und es hieß der Motor hört sich an wie ein verendendes Tier, wollte ich das nicht glauben und habe es als Scherz abgetan. Doch genauso klingt es. Es röhrt und jault….aber es funktioniert einwandfrei, und das ist schließlich die Hauptsache.

Positiv auffallen werden einem auch die Maße des Objektivs: Es heißt nicht umsonst „Pancake“. Ungefähr 150 Gramm leicht, knapp 6 Zentimeter Durchmesser und knapp über 2 Zentimeter Breite. Nicht schlecht im Vergleich zu anderen Monsterobjektiven, für die man einen Extra-Träger engagieren muss, der die riesigen und schweren Teile schleppt. Also ideal für den Urlaub, das Pancake-Objektiv. Und kombiniert mit der kleineren und leichten Canon 100D sowieso.

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Alles, was wir wollen

Was wollen junge erwachsene Frauen heute? Welchen Lebensentwurf haben sie? Die 33-jährige Regisseurin Beatrice Möller ist dieser Frage nachgegangen und hat drei Frauen um die 30 mehrere Jahre begleitet. Ihr Film „alles, was wir wollen“ beschäftigt sich mit den Erwartungen und Schwierigkeiten bei der Lebensgestaltung junger Frauen in der heutigen Gesellschaft.

Filmplakat "Alles was wir wollen"
Filmplakat „Alles was wir wollen“

Im kleinen Kinosaal der Bonn-Beueler Filmbühne fühlt man sich um einige Jahrzehnte zurückversetzt: Rote Stoffverkleidung, in der Ecke steht ein alter Projektor. Im Publikum: Mehrheitlich junge Frauen, Männer und alte Leute sind in der Minderzahl. Die Frauen und Mädchen scheinen sich versammelt zu haben, um eine Antwort auf die wichtigste Frage von allen zu erhalten: Welches Leben möchte ich führen?

Fünf Jahre lang hat Regisseurin Beatrice Möller drei Frauen begleitet. Claudia, Mona und Marie-Sarah sind Journalistinnen, Übersetzerinnen und Schauspielerinnen, doch sie alle haben eins gemeinsam: Sie gehören der „Generation Y“ an, wollen vieles anders machen als ihre Eltern, schwanken dabei aber zwischen Emanzipation und Sehnsucht nach Familie und häuslichem Leben, zwischen Arbeitsleben und Kindererziehung und zwischen Chefsessel und Praktikum. Gefangen in der „Spaß und Wegwerf-Gesellschaft“ machen sie sich Gedanken über Verantwortung und Werte und die Frage „Wo gehöre ich hin?“.

Mona arbeitet in einem Übersetzungsbüro. Sie ist 35 Jahre alt und sagt: „Manchmal werde ich gefragt, ob ich Familie habe und verheiratet sei. Da denke ich: ,Das ist doch noch gar nichts für mich, ich fühle mich noch so jung’. Prinzipiell bin ich aber in dem Alter, in dem ich auch ein ganz anderes Leben führen könnte.“ Früher war einiges einfacher: Man hat studiert und einen Beruf erlernt, einen Mann kennengelernt und eine Familie gegründet, dann kam das Haus hinzu. Doch heutzutage fragen sich immer mehr junge Leute, ob sie dieses klassische Leben überhaupt leben möchten. Möchte man Kinder und eine Familie, weil man sich wirklich danach sehnt, oder weil es das gesellschaftlich vorherrschende Modell ist? Ein zentraler Punkt im Film sind die Begegnungen mit den Müttern der Protagonistinnen. Als Zuschauer sieht man sofort das Konfliktpotenzial dieser Begegnungen, wenn zwei Generationen aufeinandertreffen. Junge Frauen machen heute andere Erfahrungen als ihre Mütter und treffen andere Entscheidungen, das stößt bei vielen Müttern auf Unverständnis: Ob man keiner geregelten und (vermeintlich) sicheren Arbeit nachgeht, ob man sich (noch) nicht binden möchte oder aus Rücksicht auf berufliche Perspektiven den Kinderwunsch so weit wie möglich nach hinten schiebt.

Zu viele offene Türen lähmen – man kann sich nicht für alles entscheiden

In der Fülle an Lebensentwürfen, die einem jungen Menschen heute geboten werden, ist es schwierig, seinen persönlichen Lebensplan zu erkennen. Unsicherheit und Entscheidungsschwierigkeiten sind nur zwei Probleme, die daraus erwachsen. Die Schauspielerin Marie-Sarah bewirbt sich für ein Engagement nach dem anderen. Mal klappt es, mal nicht. Sie sei 29 Mal umgezogen, zählt sie nach. Und dennoch kann sie sich nicht festlegen und flattert wie ein Schmetterling von einem Ort zum anderen, von einer Idee zur nächsten: „Mir war das Herz groß für alles“, antwortet sie auf die Frage, warum sie sich für ein – in den Augen vieler anderer – so unstetes Leben entschieden hat. Ihre Mutter drückt es so aus: „Ihr jungen Leute habt zu viel Freiheit, um Entscheidungen zu treffen. Aus Angst, etwas zu verpassen, drückt ihr euch vor Entscheidungen, denn mit einer Entscheidung muss man bis zum Lebensende leben.“

Auch formulieren die Protagonistinnen den Wunsch nach Halt und Kontrolle über das eigene Leben, doch Sicherheit gibt es nicht. Überhaupt ist das Erwachsenwerden ein fließender Prozess – man kann es nicht wie eine Pizza bestellen und liefern lassen. Mona sagt: „Ich fühle mich, als ob ich einen Berg raufklettere und mich frage: ,Wo ist die Plattform, wo ich einmal verschnaufen kann und einen Blick auf mein Leben werfen kann?’ Nach dem Motto: ,Aha, so sieht mein Leben also aus!“

Viele Zuschauerinnen werden sich in dem Porträt der Frauen selbst erkennen

Der Film zeichnet drei intime Porträts von jungen Frauen, die sich auf den Weg gemacht haben, sich selbst zu entdecken. „Die Frauen geben viel von sich preis, das finde ich sehr mutig“, sagt Beatrice Möller. Sie hat den Film gedreht, weil sie sich in der gleichen Situation wiederfand: „Das waren auch meine Fragen“, gesteht sie. Die Arbeit hat ihr viel gebracht: „Ich fühle mich wohler und zweifle nicht mehr so stark an dem, was ich tue.“

Den Reaktionen im Kinosaal merkt man an: Möller ist mit den drei Protagonistinnen auf der Leinwand nicht alleine mit diesen Fragen. Das ist wohl das Herausragende an dem Film: Er macht Mut, sich auf die Suche nach dem eigenen, individuellen Lebensweg zu machen. Man sollte mutig die Chancen ergreifen, die die heutige Welt bietet, denn schließlich gibt es keinen „falschen Lebensentwurf“. Und es ist äußerst wohltuend zu wissen, dass sich so viele andere junge Frauen genau die gleichen Fragen stellen.

Erster Tatort mit Schweiger als Kommissar

Die Story ist nicht neu: Eine Bande Verbrecher zwingt minderjährige Mädchen zur Prostitution. Doch der Protagonist ist neu: Til Schweiger hat die Rolle als Tatort-Kommissar Nick Tschiller in Hamburg übernommen. Premiere war am 10. März.

Um einen ersten Eindruck von der Figur des neuen Kommissars zu erhalten, muss man sich nur das erste Wort, was nach Beginn des Tatorts aus seinem Mund kommt, anhören: „Fuck“ sagt Tschiller – und vermöbelt erst einmal einen Zuhälter mit einem Toaster. Das Schimpfwort soll sich im Laufe des Films (in diversen Varianten) noch wiederholen. So erkennt der Zuschauer oder die Zuschauerin innerhalb der ersten fünf Minuten, wie die Figur gestrickt ist und wie hoch das Tempo des mit Spannung erwarteten neuen Tatorts sein wird.

Der erste Eindruck hält sein Versprechen: Die Drehzahl dieser 90 Minuten ist extrem hoch, Super-Schweiger ist ständig in Aktion: Verfolgt zu Fuß einen Bus, zerschlägt mal eben die Scheibe und rettet so ein Mädchen aus einem Bus voller Gangster. Ein andermal wird er überwältigt und sieht sich nach dem Aufwachen mit einer Leiche in der Badewanne und selber an den Haltegriff gefesselt konfrontiert. Eine Bombe zählt die Sekunden runter. Selbstverständlich rettet sich Superkommissar Schweiger locker aus dieser brenzligen Situation – und die Leiche direkt mit. Bei Til Schweiger muss es immer eine Nummer härter sein. Die Story könnte auch aus anderen Tatorten stammen, doch viele Szenen sind spannungsgeladener, komprimierter, durchaus auch brutaler als der Durchschnittstatort. Und Schweiger geht offensichtlich in der Rolle des toughen und knallharten Workaholic, der Alleingänge macht und sich nicht in übliche Arbeitsstrukturen einfügen will, auf.

Super-Schweiger in Aktion: Verfolgungsjagden und Schießereien wechseln sich ab

Dazwischen muss sich Til Schweiger alias Nick Tschiller noch um seine pubertierende Tochter mit all den Teenager-Schikanen kümmern, gleichzeitig eine Zeugin beschützen und eine wütende Staatsanwältin besänftigen.

Einige Szenen entbehren nicht eines gewissen Humors (wenn auch auf völlig anderem Niveau als z.B. des Münsteraner Tatorts): Schweiger Tochter erzählt vom Anruf der Mutter. Diese hätte gefragt, ob die Tochter es schon bereue, zu ihm gezogen zu sein: „Ich hab ihr erzählt, dass du mir jeden Tag ein weiches Ei kochst.“ In der nächsten Situation sitzt sie am Frühstückstisch und schlägt ihr Ei auf – prompt spritzt das flüssige Innere über den ganzen Tisch.

Schweiger spielt seine Rolle als knallharter Cop auf kitschig-brutale Weise. Trotz der extrem actiongeladenen und temporeichen Szenen (oder gerade deswegen?) ist es ein sehr unterhaltsamer Tatort. Und es ist ja nicht so, als würden bei anderen Tatortfolgen nicht auch grausame oder krasse Szenen gezeigt. Den einfühlsamen Vater oder Beschützer kann man Schweiger aber in keinster Weise abnehmen.

Über 12 Mio. ZuschauerInnen sehen Schweigers Tatort

Die ZEIT schreibt über Schweiger, er habe „die schönsten Schrammen der ARD“ und kann sich vor Lob gar nicht mehr retten: „Til Schweiger brilliert als Action-Star. Im Tatort zeigt er sich aber als das, was es in Deutschland eigentlich gar nicht gibt: Als verdammt guter, grober, lässiger Action-Star.“ Na na, möchte man rufen, jetzt mal nicht übertreiben. Ja, es war ein spannender Film, aber das Rad hat Schweiger keineswegs neu erfunden. Und hatte er so etwas in der Art – eine „Neuinterpretation“ – nicht angekündigt?

Schweigers Tatort schert nicht komplett aus der Reihe vorangegangen Tatortfolgen aus, was Story oder Kameraführung angeht. Es geht bei ihm nur deutlich actionreicher zu als bei anderen Tatorten. Unterhaltsam, aber die erhoffte „Neuinterpretation“ ist ihm nicht gelungen.