Lebensfreude, Chaos und schneebedeckte Gipfel: Chile

Weltreise Teil 5: Wer nach Chile reist, braucht vor allem eins: Spanischkenntnisse. Die hatten mein Freund und ich nur rudimentär, daher weiß ich nur zu gut, wie schwierig man in dem südamerikanischen Land zurechtkommt, in dem kaum jemand Englisch spricht.

Gott sei Dank hatte ich mal an der Uni einen zweisemestrigen Spanischkurs gemacht. Das ist zwar bald zehn Jahre her, aber einige Brocken sind dennoch hängen geblieben, das war unser Glück. In Chile ticken die Uhren alle etwas anders. Das Land punktet mit südamerikanischer Gelassenheit und Lebensfreude – und ist tatsächlich etwas chaotisch, aber im Endeffekt funktioniert hier alles! Manchmal ähnelt es an manchen Stellen Europa – und ist für Südamerikaneulinge vielleicht ein ganz guter Einstieg.

Die Metropole Santiago besticht mit dem Bergpanorama, wenn man denn durch den ganzen Smog die Andenkette im Hintergrund überhaupt erkennen kann. Santiago soll eine der am meisten verschmutzten Städte der Welt sein. Fährt man mit der Funicular, der Seilbahn, hinauf auf den Stadtpark mit der Marienstatue, so fällt einem sofort auf, wie frisch die Luft oberhalb der Smogglocke ist. Und trotzdem besitzt Santiago Charme und jede Menge vibrierende Lebensfreude: Die Menschen sitzen im Frühling bis spätabends draußen, liegen im Park oder wuseln durch die Einkaufsstraßen und Märkte. An jeder Ecke gibt es Bänke, ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich das Leben größtenteils draußen abspielt. Am besten gefallen hat mir das Barrio Italia und das Barrio Lastarria mit den Cafes und Innenhöfen.

In Valparaiso, der Nachbarstadt Santiagos, entdeckt man an jeder Ecke Graffiti. Von politisch bis künstlerisch bis bunt ist alles dabei.
In Valparaiso, der Nachbarstadt Santiagos, entdeckt man an jeder Ecke Graffiti. Von politisch bis künstlerisch bis bunt ist alles dabei.

Jeder Reiseführer warnt vor Diebstahl, ich hatte nicht das Gefühl, dass die Gefahr in Chile größer ist als in europäischen Metropolen. Schließlich muss man an den Orten, wo sich viele Touristen aufhalten, immer auf seine Sachen aufpassen. Höchstens das Gewusel ist in Chile noch viel größer, dass Diebe vielleicht eine noch bessere Chance hätten. Ein Abstecher in die quirlige Nachbarstadt Valparaiso lohnt sich schon allein wegen der tausend Graffiti, die man an jeder Hauswand entdeckt.

Und noch mehr Graffiti aus Valparaiso. Süß sind auch die engen Treppen, die die Stadt durchqueren und man so auf verschlungenen Pfaden die Viertel Valparaisos entdecken kann.
Und noch mehr Graffiti aus Valparaiso. Süß sind auch die engen Treppen, die die Stadt durchqueren und man so auf verschlungenen Pfaden die Viertel Valparaisos entdecken kann.

Nach dem lebendig-stylischen-partylastigen Santiago war unsere Woche in der Region Los Lagos fast schon ein Kontrastprogramm. Temperierter Regenwald (der seinem Namen alle Ehre macht, bei unserer Wanderung hat es drei Stunden lang durchgeregnet), wunderschöne Seen wie der Lago Todos los Santos, dazu im Hintergrund die schneebedeckten Vulkane haben ein atemberaubendes Panorama abgegeben. Mein Freund und ich haben den Osorno zu unserem Berg erkoren: Durch diverse Wanderungen an seinen Flanken haben wir den knapp 2.600 Meter hohen Vulkan erkundet.

Aschefelder zeugen von früheren Ausbrüchen der Vulkane

Mein Favorit war der Sendero Desolacion: Man wandert vom Lago Todos los Santos durch mehrere Aschefelder, wo sich bei einem früheren Ausbruch Asche und Lava den Berg herunterwalzt hat und wo heute noch kaum etwas wächst, an der Flanke entlang. Wunderschöne Ausblicke auf den See haben uns für die Anstrengung belohnt. Die meiste Zeit ist man auf Sand gewandert, was deutlich anstrengender ist als auf Erde! Das weiß vermutlich jeder, der schonmal versucht hatte, am Strand joggen zu gehen.

Ich konnte mich an dem Anblick des Osornos und der anderen Vulkane gar nicht sattsehen. Für so etwas muss man wahrlich bis ans andere Ende der Welt fliegen.
Ich konnte mich an dem Anblick des Osornos und der anderen Vulkane gar nicht sattsehen. Für so etwas muss man wahrlich bis ans andere Ende der Welt fliegen.

Ist man erstmal auf 1000 Meter Höhe, geht es über die Flanke zur Nordseite des Vulkans. An dem Tag, als wir die Wanderung gemacht haben, war es oben sehr trüb, was aber eine ganz eigene Atmosphäre hervorgebracht hat. Nebelschwaden zogen an uns vorbei und auf uns zu, es war kein Laut zu hören, der mit Gräsern und Blümchen karg bedeckte Boden schimmerte aber in diversen Grüntönen. Schade allerdings, dass die meisten Wanderwege keine Rundwege sind, sondern man den gleichen Weg wieder zurückgehen muss.

An einem anderen Tag haben wir eine Bootsfahrt auf dem Lago Todos los Santos gemacht: Ich habe selten so eine tolle Kulisse gesehen: Der tiefblaue See – an manchen Stellen azurblau, dann schimmerte er wiederum grünlich -, dazu die schneedeckten Gipfel der umliegenden Vulkane im Hintergrund. Allein für diesen Anblick hat sich die Reise nach Chile gelohnt!

Mehr zu Patagonien und zum berühmten Nationalpark Torres del Paine gibt es im nächsten Blogbeitrag. Und auch zum chilenischen Wein und was ihn so besonders macht, gibt es demnächst mehr.

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