Sehnsuchtsland Mongolei

Wer atemberaubende Naturschauspiele sucht, wird in der wilden Mongolei fündig. Neben spektakulären Ausblicken und kultureller Vielfalt haben die Nachfahren Dschingis Khans eins im Überfluss: Raum und Weite.

In Deutschland wird erbittert um Solarenergie gestritten. Doch in welchem Land der Erde gehören Solaranlagen zur Grundversorgung? In der Mongolei! Das hätte man als Europäer nicht vermutet, doch es ist wahr: Zu den allermeisten Nomadenjurten gehört eine Solaranlage, die den Bewohnern etwas Strom spendet. Willkommen im Reich der Nomaden, wo Traditionen wie zu Dschingis Khans Zeiten sich mit den Technologien der Gegenwart vermengen. Rund ein Drittel der mongolischen Bevölkerung lebt als Nomaden, das sind knapp eine Million Menschen. Alle paar Wochen packen sie ihre Zelte zusammen und ziehen weiter – immer auf der Suche nach frischen Weidegründen für ihr Vieh.

Die Mongolei liegt im Durchschnitt knapp eintausend Meter über dem Meeresspiegel
Die Mongolei liegt im Durchschnitt knapp eintausend Meter über dem Meeresspiegel

Doch wer in die Mongolei fährt, hat vor allen Dingen eins im Sinn: Die Natur. Denn wenn das Land etwas genug hat, dann ist es Steppe in allen Variationen, Wüste und Grasland.

Nicht nur Grasland – in der Mongolei findet man sechs unterschiedlich geografische Zonen: Die Hochgebirgszone, die Gebirgstaiga, die Gebirgswaldsteppe, die Steppe, die Wüstensteppe und die Wüste

Nomaden sind immer noch häufig zu Pferd unterwegs – trotz der großen Konkurrenz durch die motorisierten Fahrzeuge
Nomaden sind immer noch häufig zu Pferd unterwegs – trotz der großen Konkurrenz durch die motorisierten Fahrzeuge

In der Provinz Bulgan, nordwestlich der Hauptstadt Ulan Bator (mongolisch: Ulaanbaatar), sind die Wiesen grün und saftig, karge Baumbestände wechseln sich mit sanft geschwungenen Hügeln ab. Die Frische kommt nicht von ungefähr: Es regnet viel und mancherorts wähnt man sich in irischen Gefilden. Im Hunnental in der Arkhangai-Provinz, das sich südlich zieht, erlebt man die Mongolei, so wie man es sich als Europäer erträumt hat: Ein Fluss durchfließt das Tal, wie ein Band schlängelt er sich durch die grüne Landschaft.

Weiße Punkte entlang des Ufers verraten die Jurten und ihre Bewohner. Überall Tiere, soweit das Auge blickt: Ziegen, Schafe und Pferdeherden durchqueren die Steppe. Trotz Sommer ist es kühl, morgens ziehen Nebelschwaden an den Hügeln entlang. Tiefhängende Wolken schmiegen sich an die Berge – kommt die Sonne raus, erkennt man die komplizierten und filigranen Muster, die die Wolken auf die Berge malen.

Das Orkhontal – fruchtbare Ebene inmitten des Landes
Das Orkhontal – fruchtbare Ebene inmitten des Landes

Die Gobi: Trockene Steppe, kaum Vegetation und doch belebt

Fährt man noch weiter in den Süden, kommt man langsam aber sicher in das Gebiet der Gobi. Sichere Anzeichen sind die ersten Kamele, die durch die karge Steppe streifen. Die Mongolen benutzen den Begriff „Gobi“ nicht für eine bestimmte Region, sondern bezeichnen damit einen bestimmten Landschaftstypus: Der Begriff „Gobi“ bezeichnet eine trockene Wüstensteppe oder eine Fels- und Geröllwüste.

Die ersten Kamele kreuzen den Weg – die Wüste ist nicht mehr weit
Die ersten Kamele kreuzen den Weg – die Wüste ist nicht mehr weit

Wer das Tal der Gobiseen durchquert (eine 600 Kilometer breite Senke von Nordwest nach Südost) und eine Rast inmitten der knochentrockenen Steppe macht, dem fällt sofort die Stille auf, die in der Wüste herrscht. Bleiern legt sie sich auf die Ohren, erst nach einigen Sekunden der Gewöhnung vernimmt man ganz leise von fern ein Zirpen und Rascheln. Es ist brütend heiß, das Quecksilber klettert locker Richtung 40 Grad Celsius und das ist durchaus noch moderat. Am Horizont flimmert die Altai-Gebirgskette, einzige Vegetation sind die Abermillionen Saxaulbüsche, die alle paar Zentimeter die Steppe bedecken. Ja, dieser Ort wird zu Recht als „lebensfeindlich“ bezeichnet, auch wenn natürlich Leben herrscht: Einzelne Fliegen summen und bezeugen, dass dieser Ort nicht vollkommen verlassen ist. Zwei einzelne Nomadenjurten entdeckt man in der Ferne und fragt sich gleichzeitig, wie Menschen hier überleben können.

Atemberaubende Sonnenuntergänge in der Gobi
Atemberaubende Sonnenuntergänge in der Gobi

Wer in der Wüste ist, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und den Sternenhimmel bewundern. Fernab von jeder Lichtverschmutzung kann man das ganze Ausmaß der Schönheit sehen: Tausende Sterne glitzern und funkeln am Firmament und reichen bis hinunter zum Horizont. Man hat das Gefühl, inmitten eines Sternenregens zu stehen.

Nirgendwo hat man so eine gute Sicht auf die Milchstraße, die sich wie ein weißes Band quer über den Himmel schlängelt. Auch die Sonnenaufgänge sind von betörender Schönheit: Wenn es gegen halb fünf Uhr im Sommer hell wird, tauchen die ersten Sonnenstrahlen die östlichen Ausläufer des Gobi-Altais in rosafarbenes Licht. Der Sand scheint minütlich die Farbe zu wechseln und geht die gesamte Palette an Pastellfarben rauf und runter, bis schließlich um halb sechs die Sonne aufgeht, das rosafarbene Licht verscheucht und der Tag anbricht.

Die Typische Vegetation der Wüste Gobi im Morgenlicht
Die Typische Vegetation der Wüste Gobi im Morgenlicht

Atemberaubende Landschaften wechseln sich ab – mal fühlt man sich in die Alpen versetzt, dann wieder erinnert die karge Natur an Patagonien

Die Reise führt zurück in den Norden. Man fährt vorbei an blühenden Wiesen, die von gelben und lilanen Farbtupfern übersäht sind. Es geht vorbei an den klaren und tiefblauen Bächen des Orkhontals, an den bunten buddhistischen Klöstern mit ihren knarzenden und quietschenden Gebetsmühlen. Und schließlich landet man dort, wo die Reise angefangen hat und wo alle Wege hinführen: Ulan Bator. Eine typisch postkommunistische Metropole, als Schönheit oder Juwel kann man sie weiß Gott nicht bezeichnen. Und dennoch findet man dort einen faszinierenden und spannenden Mix aus  sozialistischer Architektur, alten Tempelanlagen und modernen Bauten.

Blumen, Gras und sanfte Hügel erstrecken sich über ganze Landstriche
Blumen, Gras und sanfte Hügel erstrecken sich über ganze Landstriche

Die Mongolei ist ein Reiseland für die Sinne: Atemberaubende Landschaften ziehen am Reisenden vorbei, man trifft Menschen, die sich ihre ursprüngliche Lebensweise bewahrt haben und doch dem Fortschritt geöffnet haben. Und nicht zuletzt findet man das, wofür die Mongolei bekannt ist und wofür sie steht: Ruhe und Weite.

Für Botaniker ist die Mongolei ein Paradies
Für Botaniker ist die Mongolei ein Paradies
Der Terkhiin Tsagaan Nuur-See liegt heute in einem Nationalpark
Der Terkhiin Tsagaan Nuur-See liegt heute in einem Nationalpark
Landschaft im Orkhontal
Landschaft im Orkhontal
Kamele sind das Kapital der Züchterfamilien in der Wüste Gobi
Kamele sind das Kapital der Züchterfamilien in der Wüste Gobi
Buddhistische Klöster finden sich im ganzen Land, auch wenn viele von ihnen während der Kulturrevolution in den 1930er Jahren zerstört worden sind
Buddhistische Klöster finden sich im ganzen Land, auch wenn viele von ihnen während der Kulturrevolution in den 1930er Jahren zerstört worden sind
Nomaden in ihrem Sommerlager
Nomaden in ihrem Sommerlager
Nomaden leben in der ganzen Mongolei verstreut – hier hat eine Familie im Khangaigebirge ihr Sommerlager aufgeschlagen
Nomaden leben in der ganzen Mongolei verstreut – hier hat eine Familie im Khangaigebirge ihr Sommerlager aufgeschlagen
Man fährt durch eine ganze Reihe kleiner Orte: So schön die Landschaft ist, so trostlos sind die Städte – trotzder hübschen bunten Dächer
Man fährt durch eine ganze Reihe kleiner Orte: So schön die Landschaft ist, so trostlos sind die Städte – trotz der hübschen bunten Dächer
Die Klosteranlage Amarbajasgalant, zweitgrößtes Kloster in der Mongolei. Die kulturelle Nähe zu Tibet ist unverkennbar
Die Klosteranlage Amarbajasgalant, zweitgrößtes Kloster in der Mongolei. Die kulturelle Nähe zu Tibet ist unverkennbar
Buddhastatuen der Klosteranlage Amarbajasgalant
Buddhastatuen der Klosteranlage Amarbajasgalant
Kein Kloster ohne Gebetsmühlen
Kein Kloster ohne Gebetsmühlen
Ulan Bator – die Stadt schwankt zwischen Kitsch und Kultur...
Ulan Bator – die Stadt schwankt zwischen Kitsch und Kultur…
...und zwischen Sozialismus und Moderne
…und zwischen Sozialismus und Moderne

„Rund um Köln“ unter wechselhaften Bedingungen

Ein Sportereignis jagt das nächste: Am Sonntag fand das 97. traditionelle Radrennen „Rund um Köln“ statt. Der Veranstalter verzeichnete einen Rekord: Neben 156 Profiradfahrern nahmen über 4.000 Hobbysportler teil. Das Rennen war aufgrund des häufig schlechten Wetters vom ursprünglichen Termin am Ostermontag in den Mai verschoben worden.

Das Foto täuscht: Morgens hatte es noch beim Start der„Jedermänner“ gestürmt und gehagelt. Erst gegen 12 Uhr kam die Sonne heraus. Die Zuschauer an der  Schlossstraße in Bergisch Gladbach-Bensberg sind größtenteils trocken durchgekommen, nur kleinere Schauer zogen übers Land. Die Rennfahrer müssten schlechte Witterungsbedingungen aushalten, findet eine Besucherin: „Es ist nun einmal ein Sport für draußen.“ Mit dem Fotoapparat bewaffnet steht sie an der Schlossstraße und jubelt ihrem Freund zu. Der hat sich die 125-Kilometer-Strecke vorgenommen.

„Rund um Köln“ wurde zum ersten Mal 1908 ausgetragen und ist das älteste regelmäßige Radrennen in Deutschland

Dass das Rennen dieses Jahr am Muttertag stattfindet, freut nicht jeden. „Unmöglich“, schimpft eine Blumenhändler aus der Bensberger Innenstadt, denn gesperrte Straßen bedeuten für sie weniger verkaufte Muttertagssträuße. Es bleibt dabei: Die Einen freuen sich über das sportliche Ereignis und stehen jubelnd am Straßenrand, die Anderen sind sauer über die Straßensperren und  genervt von den Einschränkungen. An diesem Konflikt wird sich so schnell nichts ändern.

Über 4.000 Hobbysportler und Radprofis haben beim Traditionsrennen "Rund um Köln" 2013 teilgenommen.
Über 4.000 Hobbysportler und Radprofis haben beim Traditionsrennen „Rund um Köln“ 2013 teilgenommen.

Eine Stadt wird gelb – der Deutsche Post Marathon in Bonn

Sonntagmorgen, halb acht Uhr. Noch ist es bewölkt und frisch. Die Bonner EinwohnerInnen liegen in ihren Betten. Doch im Zentrum ist jede Menge los: Emsig bereiten sich die SportlerInnen auf ihre Läufe vor. Da wird gedehnt, was das Zeug hält, man versorgt sich noch schnell mit Kalorien oder checkt zum hundertsten Mal die Ausrüstung. Der Deutsche Post Marathon lockte am 14. April 12.000 LäuferInnen an den Start.

Zieh! Die letzten Meter sind die härtesten....
Zieh! Die letzten Meter sind die härtesten….

Bananen über Bananen – man sieht die Früchte an jeder Ecke. Insgesamt 25.000 Stück wurden beim Deutsche Post Marathon in Bonn verputzt – nicht verwunderlich bei dem Energiegehalt der tropischen Frucht. Diese Energie hatten die insgesamt 12.038 Sportlerinnen und Sportler nötig: So ein Halbmarathon über 21 km und ein (Voll-) Marathon über 42 km verschlingt jede Menge davon. Pünktlich um Viertel vor neun ertönte das erste Mal der Knall: Drei, zwei, eins, los! Beim Startschuss vibrierte die Luft vor Energie, als 8.000 SportlerInnen in der ersten Disziplin (Halbmarathon) an den Start gingen. Als kurz vor zehn die ersten LäuferInnen über die Ziellinie trudelten, machten sich die MarathonläuferInnen gerade fertig. Sie mussten die Schleife durch die Rheinauen und am Post Tower vorbei gleich zweimal drehen.

Endlich Frühling – pünktlich zum Marathontag

Petrus hatte ein Einsehen: Mittags riss die dichte Wolkendecke auf und die Sonne lachte den ganzen restlichen Tag. Rasch wurde es ziemlich warm. Nicht unbedingt das ideale Wetter zum laufen, aber die ZuschauerInnen freute es. Die Stadt versank in einem gelben Farbenmeer, die Stimmung war gut. Die Bonnerinnen und Bonner ließen es sich nicht nehmen, die wagemutigen Sportler ordentlich anzufeuern. Als zwischendurch sogar „Viva Colonia“ erscholl, konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, wahlweise im Kölschen Karneval oder auf einem Volksfest gelandet zu sein. Die LäuferInnen freuten sich über soviel Unterstützung, die ZuschauerInnen genossen das Ereignis und die herrliche Frühlingssonne.

Die ZuschauerInnen feuerten die Läuferinnen und Läufer an - Bombenstimmung am Sonntag in Bonn!
Die ZuschauerInnen feuerten die Läuferinnen und Läufer an – Bombenstimmung am Sonntag in Bonn!

Vive la Provence

Nicht nur seit Peter Mayles Reiseroman „Mein Jahr in der Provence“ ist die Region im Süden Frankreichs beliebtes Touristenziel. Pittoreske Dörfer, Lavendelfelder, Obstplantagen und ein warmes Klima machen die Provence zu einem der Sehnsuchtsorte schlechthin.

rseille, Hauptstadt der Region, mit der Kirche Notre-Dame-de-la-Garde
Marseille, Hauptstadt der Region, mit der Kirche Notre-Dame-de-la-Garde

Die Region hat es in sich: Vom kargen Kalksteingebirge über saftige Obstwiesen bis hin zu sumpfigen Seelandschaften bietet die Provence jede landschaftliche Variation. Marseille ist mit knapp 900.000 Einwohnern die größte Stadt der Region Provence-Alpes-Côte d’ Azur. In den Nachrichten macht sie eher negative Schlagzeilen: eine hohe (Jugend-) Arbeitslosenquote, ungelöste Integrationsprobleme bei den Migranten aus Afrika, vor allen Dingen aus dem Maghreb, und daraus resultierende Unruhen. Doch die Stadt hat durchaus Charme, wenn man erstmal über den absolut chaotischen Verkehr und den Dreck hinwegsieht. Ein schöner Hafen, kleine Gässchen und absolutes mediterranes Flair. Unbedingt machen: Zur Kirche Notre-Dame-de-la-Garde aufsteigen und den atemberaubenden Blick über die Stadt und das Meer genießen!

Der Lubéron: ein Geheimtipp unter Wanderern.
Der Lubéron: ein Geheimtipp unter Wanderern

Ein absolutes Highlight der Provence ist der Lubéron. Das Gebirge eignet sich zum wandern und klettern, man sieht wilden Thymian und an den Hängen Olivenbäume.

Provence: Viele Naturlandschaften auf kleinem Raum

Ein Traum sind die kleinen Dörfer in der Gegend: Häufig bestehen sie aus wenigen Häusern, die nach altem Baustil errichtet wurden (die „mas“, traditionelle Steinbauten). Gästezimmer und Gästehäuser gibt es in der Gegend genug. Gibt es etwas schöneres, als den Tag mit einem Tee oder Café au lait auf der Terrasse eines pittoresken Landhäuschens zu beginnen? Empfehlenswert ist das Städtchen Roussillon mit seinem Ocker: Hier wurde früher aus Ockersand die charakteristische gelbe Farbe gewonnen. Auch guten Wein gibt es mittlerweile in der Provence. War früher der Ruf der Winzer nicht der beste, gibt es heute viele kleinere Betriebe oder Genossenschaften, in denen sich Winzer zusammengeschlossen haben, die zu moderaten Preise tolle Weine produzieren.

Ein "mas", ein typisches provencalisches Steinhaus
Ein „mas“, ein typisches provencalisches Steinhaus

Wen es nach der Gebirgsluft wieder ans Wasser zieht, sollte in der Camargue vorbeischauen: Da kann man das kühle Nass sowohl in Form des Meeres wie auch in Form einer ausgedehnten Seenplatte genießen. Das flache Terrain lädt zum spazieren ein und vom Seeufer aus kann man Flamingos beobachten, die nach Krebsen suchen.

Die Provence inspirierte berühmte Maler wie van Gogh und Cézanne

Am Strand von Saintes-Maries-de-la-Mer (das berühmte Gemälde von Vincent van Gogh zeigt die Segelboote) kann man gut baden, das Städtchen an sich ist von Touristen hoffnungslos überschwemmt. Trotzdem ist es einen Besuch wert, dort fühlt und sieht man, dass Spanien gar nicht mal so weit weg ist. Wer van-Gogh-Fan ist, kann auch einen Abstecher nach Arles machen. Dort hat der niederländische Maler von 1888 bis 1889 gelebt. Eins seiner berühmtesten Gemälde, die Sonnenblumen, hat er dort gemalt. Auch die Sache mit dem Ohr (im Streit mit Gauguin schnitt sich van Gogh ein Stück seines rechten Ohrs ab) hat sich in Arles abgespielt. Doch abgesehen von einer netten Innenstadt bietet die Stadt nichts Spektakuläres.

Die Camargue: Dort kann man Flamingos entdecken
Die Camargue: Dort kann man Flamingos entdecken

Unbedingt machen: Einfach die Landschaft genießen mit den Obstplantagen, den wilden Kräutern und dem sonnigen Klima. Natürlich kann man sich auch mit Kräutern der Provence („herbes de Provence“) eindecken und mit Lavendelprodukten (wobei diese häufig nicht aus dem „echten“ Lavendel, lavandula angustifolia, hergestellt sind, sondern aus der ertragreicheren Hybridsorte Lavendin = lavandula latifolia). Auf jeden Fall auch abseits der Touristenströme wandeln und auch eine gute Reisezeit abpassen. Dies ist beispielsweise der Juni, denn im Juli und August haben die französischen Schulkinder Ferien und dann ist die Region überlaufen. Außerdem wird es im Sommer ordentlich heiß.

In der Provence kann man verwunschene kleine Dörfer entdecken - sie werden "villages perchés" genannt. Hier schlummert das verlassene Oppède-le-vieux vor sich hin.
In der Provence kann man verwunschene kleine Dörfer entdecken – sie werden „villages perchés“ genannt. Hier schlummert das verlassene Oppède-le-vieux vor sich hin.

Schätze der Weltkulturen

250 einzigartige Kunstschätze aus aller Welt und aus allen Epochen zeigt die Bonner Bundeskunsthalle noch bis zum siebten April. Die „Schätze der Weltkulturen“ – so der Titel der Ausstellung – gehören zur Sammlung des British Museums.

Ein riesengroßer Mann blickt auf den Besucher oder die Besucherin hinab. Sein Bart kräuselt sich, die großen Augen blicken ins Leere, die Hände sind gefaltet. Aus Stein gehauen hat diese Statue Jahrtausende überdauert, sie stammt aus Mesopotamien. Direkt daneben eine Tafel mit der alten Keilschrift: Gut erkennbar sind die Pfeile und Striche, die in den Stein gehauen oder geritzt wurden. Der „Nahe Osten“ ist nur eine von sieben Abteilungen, aus deren Kulturkreis in der Bundeskunsthalle auf der Bonner Museumsmeile Kunstwerke ausgestellt werden. Der Besucher oder die Besucherin hat die Auswahl zwischen „Afrika“, „Asien“, „Amerika“, „Ozeanien“, „Europa“ und „Moderne Welt“. Eindrucksvoll arrangiert sind die Räume mit den jeweiligen Sehenswürdigkeiten: Von einem Mittelraum aus gehen die Museumsräume sternenförmig ab. So werden die jeweiligen Kulturen als gleichberechtigt und als Teil eines Ganzen gezeigt.

Das British Museum wurde 1753 gegründet und beherbergt über 7 Millionen Objekte

Man entdeckt in dieser Ausstellung viele eindrucksvolle Gegenstände: Von Schmuck über Seekarten und Nutzwerkzeuge. Was für eine Schwierigkeit, die Kulturen eines ganzen Kontinents in einen Raum zu pressen und in wenigen Sätzen beschreiben zu müssen! Jahrtausende alte Geschichte schnurrt zusammen und passt auf eine Tafel an der Wand. Aber das ist der Preis, den man bezahlen muss, wenn man sich quer durch Kulturen und Epochen bewegen möchte. Und diesen Preis zahlt man gerne. Äußerst ärgerlich ist allerdings, dass die Gegenstände selber nicht auf Tafeln erklärt wurden: Wenn man keinen Audio-Guide nimmt, muss man lästig ein Heft mit sich herumtragen, die jeweilige Nummer des Kunstwerks suchen und sich den Text dazu durchlesen. Praktisch und leicht rezipierbar ist das nicht. Nichtsdestotrotz eine eindrucksvolle Ausstellung, mit der die Bundeskunsthalle die traditionsreiche Reihe „Große Sammlungen“ fortsetzt. Rüdiger Heimlich vom Kölner Stadt-Anzeiger schreibt: „Die Ausstellung, so die Kuratoren aus Bonn und London, soll nicht als „Best of“ verstanden werden, eher vielleicht als „Very Best of“, als ein Höchstangebot von konzentrierter Kunst- und Kulturgeschichte.“

Phantom der Oper

Der entstellte, in Einsamkeit lebende Erik und die hübsche, bezaubernde Sängerin Christine – das Muscial „Phantom der Oper“ gehört zu den schönsten und ergreifendsten Musicals. In Köln konnte man am Sonntag das Ensemble um Deborah Sasson erleben.

Wenn als Gradmesser für den Erfolg gilt, wie schnell dem Besucher oder der Besucherin die Zeit vergeht, dann war das Stück ein riesen Erfolg: die knapp drei Stunden Spielzeit vergehen wie im Flug und man reibt sich am Ende verwundert die Augen: Das war es schon? Zugabe!

Frische Lieder und eine kreative und aufwendige Bühnengestaltung

Auf äußerst humorvolle Weise nähert sich die Produktion von Sasson/Sauter der Geschichte um Erik und Christine aus dem Buch von Gaston Leroux aus dem Jahre 1911. Köstlich und amüsant sind die beiden frisch berufenen Direktoren der Pariser Oper, die sich gegenseitig necken und aufziehen: Der eine turtelt dauernd mit den Chormädchen, der andere zieht tuntenhaftig mit dem Spiegel umher und schafft keine zehn Meter ohne seine zarten Füßchen zu bemitleiden (was sehr lustig ist, wenn man weiß, dass die Figur eine Hüne von Mann spielt). Schwunghafte Lieder reißen das Publikum mit. Ein großes Lob auch für das unglaublich tolle Bühnenbild: Neben der „normalen“ Ausstattung auf der Bühne werden Bilder auf einen Zwischenvorhang, der als Leinwand dient, projiziert. Daraus entstehen 3D-Effekte und fügen sich farbenprächtig und stimmungsvoll ins Gesamtbild. Brillant ist auch das Phantom, Axel Olzinger. Ihm nimmt man die Kreatur zwischen Wahnsinn und Liebe ohne weiteres ab. Wenn er von seiner ruhigen und kühlen Art auf einmal in einen unberechenbaren, furienhaften Anfall taumelt, um dann schlussendlich doch vor Christine auf die Knie zu sinken und sie anzuflehen, doch bei ihm zu bleiben und ihn zu lieben: Jeder fühlt mir diesem Wesen, fühlt Mitleid und Trauer über die unerwiderte Liebe, um dann sogleich wieder von den tyrannischen Machtgebärden eines Wahnsinnigen abgeschreckt und angeekelt zu sein. Deborah Sasson singt ihre Parts mit dem Können und der Ernsthaftigkeit einer Opernsängerin. Dies ist leider auch ihre Schwachstelle: Ihr geht etwas von der Leichtigkeit, mit der die anderen Darsteller operieren, ab. Und hier und da wirkt die Mädchenhaftigkeit auch etwas übertrieben (langes, blondes Haar und ein rotes Kapuzencape erinnern unwillkürlich an das Bild, was man sich von Rotkäppchen macht). Und zwischen all den Stimmen im Musical eine „Opernstimme“ zu hören, kann beim musikalischen Laien auch durchaus zu Irritationen führen. Dass auch das einen Grund hat, erfährt man nach und nach, wenn Sasson alias Christine Lieder aus bekannten Opernstücken wie La Traviata oder Carmen singt.

Diverse Fassungen der einen Buchvorlage führen zu Verwirrung

Doch eine Überraschung bleibt nicht aus: Wenn der Vorhang gefallen ist, muss man sich zwangsläufig fragen: Ja wo sind denn die Klassiker aus „Phantom der Oper“ geblieben? Das höchst energische Stück mit dem gleichnamigen Titel, in dem das Phantom Christine zum singen antreibt („Er sang, sobald ich schlief und kam mir nah“, „Sing, mein Engel der Muse, sing“)? Oder Christines Bitte „Denk an mich“? Oder „Musik der Nacht“? Wer sich das fragt, weiß anscheinend nicht, dass es nicht DIE Musicalfassung vom Phantom der Oper gibt. Es existieren mehrere verschiedene Fassungen und die von Deborah Sasson ist nur eine davon. Die Lieder mit dem höchsten Bekanntheitsgrad stammen aus der Feder von Andrew Lloyd Webber und die kriegt man in der Sasson’schen Fassung selbstverständlich nicht zu hören. Dies kann natürlich zu großer Enttäuschung führen („Mensch, hätte ich das gewusst…“), doch auch ohne die „Klassiker“ ist die recht neue Fassung (von 2011, Webbers Fassung stammt übrigens aus dem Jahre 1986) eine absolut kurzweilige, traumhaft bunte, gesangstechnisch der Webberproduktion in nichts nachstehende Musicalaufführung, die sehr sehenswert ist. Zudem: Auf Deborah Sassons Webseite kann man nachlesen, dass sich ihre Fassung angeblich stärker als die bekannte Version von Andrew Lloyd Webber an der Romanvorlage orientiert.

Bunt und jeck – Karneval im Rheinland

Kölsche Karnevalslieder neu interpretiert - mit Blasinstrumenten!
Kölsche Karnevalslieder neu interpretiert – mit Blasinstrumenten!

Die Narren sind los! Wie jedes Jahr ging es im Rheinland zum Finale der Karnevalssession hoch her. In Bergisch Gladbach gab es eine Premiere: Die Karnevalsgesellschaft „närrische Sander“ feierte am Samstag mit der ersten Straßensitzung ihr 60. Jubiläum. Unter durchaus ungemütlichen Witterung (eiskalt und immer mal wieder Schnee) ließen sich die Jecken aber nicht vom Feiern abhalten. Der Sander Dorfplatz füllte sich erst langsam, dann immer schneller. Zum Kölsch wurde auch Glühwein ausgeschenkt, um die Besucher warm zu halten (schunkeln hilft natürlich auch).

Bunte Paradiesvögel zogen am Karnevalswochenende durch Bergisch Gladbach.
Bunte Paradiesvögel zogen am Karnevalswochenende durch Bergisch Gladbach.

Musikalisch wurde einiges geboten: Die lokale Band „Pressluft“ präsentierte kölsche Klassiker von Brings oder den Höhnern auf Blasinstrumenten, hinterher rockten „Cat Ballou“. Die Leute hatten Spaß! Wie immer feierten auch die Jecken in anderen Bergisch Gladbacher Stadtteilen: In Bensberg und Refrath ging am Samstag der traditionelle Zug, am Sonntag zogen alle Gesellschaften gemeinsam durch Gladbach. In Bonn feierte man den karnevalistischen Höhepunkt traditionell am Rosenmontag – parallel zum Kölner Rosenmontagszug.

Volles Haus bei der Sander Straßensitzung in Bergisch Gladbach.
Volles Haus bei der Sander Straßensitzung in Bergisch Gladbach.

Warschau, die Stolze

Der Kulturpalast - Wahrzeichen von Warschau und am meisten geliebtes oder gehasstes Gebäude der Stadt.
Der Kulturpalast – Wahrzeichen von Warschau und am meisten geliebtes oder gehasstes Gebäude der Stadt.

Ihr wollt einen Kurztrip machen, wisst aber nicht wohin? Soll nicht weit weg sein, relativ günstig und mal „was anderes“? Willkommen in Warschau – „Witamy w Warszawie“!

Die polnische Hauptstadt blickt auf eine lange Geschichte zurück (Hauptstadt ist sie übrigens erst seit 1596, davor war es Krakau) und hat schon viel erlebt: Kriege, Könige, Kommunismus – alles hat sie vorbeiziehen sehen. Das merkt man ihr heute noch an. Im zweiten Weltkrieg wurde Warschau stark zerstört, die Altstadt inklusive dem Königspalast wurde danach aber komplett wieder neu errichtet. Sieht alles top aus, ein Besuch im Schloss lohnt sich! Natürlich findet man aber dort die meisten Touristen. Generell gilt Warschau noch als Geheimtipp und ist in keinster Weise überlaufen wie andere europäische Hauptstädte. Natürlich liegt es daran, dass das Gesicht der Stadt stark vom Kommunismus geprägt ist: Man sieht immer noch Viertel voll mit Plattenbauten, langgezogenen Straßen zwischen Häuserfluchten und schmutzig-kitschigen Märkten.

An jeder Straßenecke atmet man in Warschau Geschichte

Aber Warschau entwickelt sich auch viel schneller als andere Städte und holt auf: Das kulturelle Angebot hat enorm zugenommen, es gibt tolle Museen und Ausstellungen, nicht zuletzt wurde für die Fußball-Europameisterschaft 2012 das Stadion komplett saniert. Auch die Einkaufsmöglichkeiten erschlagen einen: Ob man auf der „Flaniermeile“ Nowy Swiat bummeln geht, oder in den goldenen Terrassen (zlote terasy): Mittlerweile sieht man die gleichen großen Shoppingcenter wie überall. Hier sieht man, dass Modernisierung nicht gleich für Individualisierung steht. Mein Tipp: Auf jeden Fall abseits der Menschenströme die polnische Hauptstadt entdecken. Hier einige Ideen:

Ein Pfau im Lazienki-Park - keine Seltenheite, die Vögel leben dort.
Ein Pfau im Lazienki-Park – keine Seltenheite, die Vögel leben dort.

Universitätscampus: eine Stadt in der Stadt

Wenn man über den Campus schlendert und Richtung Weichsel und Unibibliothek geht (im Sommer ist der Dachgarten geöffnet, von dort hat man einen sehr schönen Blick über Warschaus Dächer), gibt es mehrere süße Studenten-Cafés, in denen man es sich bei einem fair gehandelten Tee und selbst gebackenen Kuchen gemütlich machen kann.

Im Sommer bei schönem Wetter unbedingt die ganzen Parks und Grünflächen nutzen: Der Lazienki-Park (früheres Jagdgebiet der Könige) mit verschiedenen Bädern und Orangerien ist eine wahre Augenweide, wenn alles blüht. Im Sommer gibt es dort jeden Sonntag Chopinkonzerte, Eintritt ist frei! Warschau hat auch zwei botanische Gärten zu bieten und den Ogrod Saski (Sächsichen Garten) im Zentrum mit den Springbrunnen.

Eine der vielen Engelfiguren auf dem Powazki-Friedhof.
Eine der vielen Engelfiguren auf dem Powazki-Friedhof.

Wer sich mehr für Geschichte interessiert, kann über den Powazki-Friedhof schlendern. Dort entdeckt man viele wunderschöne alte Gräber mit tollen Figuren. Hier sind auch viele Widerstandskämpfer begraben. A propos Geschichte und zweiter Weltkrieg: Das polnische Volk ist sehr geschichtsbewusst und auch sehr feinfühlig. Der zweite Weltkrieg hat sich mndestens genauso tief (wenn nicht noch stärker) in das kulturelle Gedächtnis der Polen eingebrannt wie in Deutschland.

Eine Stadt mit Altlasten hat ihren Weg in die Moderne gefunden

Sehenswert ist auch der Palac Wilanowski im Südosten von Warschau. Gebaut wurde das Schloss Ende des 17. Jahrhunderts als Vorstadtresidenz von König Johann Sobieski III.

Adam Mickiewicz - Lieblingspoet der Polen (Gemälde im Nationalmuseum).
Adam Mickiewicz – Lieblingspoet der Polen (Gemälde im Nationalmuseum).

Die Infrastruktur ist ganz gut: Eine topmoderne Metrolinie führt von Süd nach Nord (geplant ist auch eine zweite West-Ost Linie). Es gibt ein ganzes Netz von Straßenbahnen, Busse fahren selbstverständlich auch, beide Verkehrsmittel sind aber auch häufig alt und können nicht mit der neuen Metro mithalten. Essen gibt es an jeder Straßenecke, meistens aber fleischlicher Imbiss. Mitlerweile gibt es sogar vegane/vegetarische Restaurants/Salatbars! Unbedingt ausprobieren: In eine bar mleczny gehen. Die Milchbar ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten des Kommunismus, es sind quasi staatlich subventionierte Kantinen. Man kann dort für super wenig Geld Hausmannskost erhalten. Das Ambiente ist meistens auch noch sehr kommunistisch-spartanisch, sofort fühlt man sich in vergangene Zeiten versetzt! Hier und da gibt es Milchbars mit modernerem Flair. Der Kulturpalast inmitten des Zentrums ist Objekt der Hassliebe der Warschauer: Einige halten das Riesengebäude, was Stalin 1952 den Polen „schenkte“, für eine architektonische Schande (es ist dem Moskauer Stil nachgeahmt), andere empfinden es mittlerweile als Wahrzeichen der Stadt und haben sich mit ihm versöhnt.

Die Warschauer Skyline in der Nacht.
Die Warschauer Skyline in der Nacht.

Köln (nicht nur) für Anfänger

Jeder kennt das Phänomen: Man wohnt in (oder in der Nähe) einer Stadt, fährt tagtäglich die gleiche Strecke ab, kommt aber nie dazu, sich intensiver mit ihrer Geschichte zu befassen oder einfach mal einen Blick hinter ihre Kulisse zu werfen. Wer jetzt nickt und sagt: „Ja, kenn ich“ und wer aus Köln oder Umgebung kommt, dem sei die One-Woman-Kabarettshow von Marina Barth ans Herz gelegt. „Köln (nicht nur) für Anfänger“ heißt das Stück, das im Kabarett Klüngelpütz in der Gertrudenstraße läuft. Mit Witz & Charme (ja, das klingt jetzt abgedroschen, trifft aber in diesem Fall zu!) ergründet die Schauspielerin die kölsche Seele und das kölsche Alltagsleben (musikalisch unterstützt von Joachim Jezewski). Wer sich schon immer gefragt hat, wie der „kölsche Klüngel“ entstanden ist, der ist im Programm richtig. Scharfsinnig analysiert und hinterfragt Barth das „man kennt sich – man hilft sich“, das die Stadt am Rhein so berühmt gemacht hat (leider in negativer Hinsicht).

Ein Streifzug durch die Kölsche Geschichte und Kultur

Barth nimmt außerdem berühmte Kölner Persönlichkeiten auf die Schippe, ob den in Köln allgegenwärtigen Alfred Neven DuMont oder die Bankiersfamilie Oppenheim. Auch der ungeliebte und glücklose Kardinal Meisner kriegt sein Fett weg. Zur Legende des Kölnisch Wasser 4711 sagt sie nur: „Die Kölner erzählen sich so lange eine Geschichte, bis sie sie selber glauben. Das nennt man ,verifizieren’.“ Weiter geht es querbeet durch die Römerzeit, den Karneval und natürlich dürfen auch die KVB-Kontrolleure in diesem Kabarettstück nicht fehlen: Was wäre Köln ohne seine Verkehrsbetriebe?

Marina Barths gesangliche Einlagen sind charmant und amüsant, trotz einige Tonunsicherheiten, die man ihr aber gerne verzeiht. Wenn man nach diesem höchst amüsanten Abend in dem kleinen, etwas ranzigen, aber gemütlichen Etablissement, dessen rote Stühle und Teppich den Charme vergangener Tage verströmen (das aber auch irgendwie was von Studenten-WG hat), durch Köln fährt, wird man die Stadt mit anderen Augen sehen: Vermutlich werdet ihr sie noch mehr lieben als zuvor!

Die grüne Insel

Irland ist ein Faszinosum. Die grüne Insel zieht Menschen magisch an, es pilgern ganze Scharen dorthin. Heinrich Böll hat 1957 ein „Irisches Tagebuch“ herausgebracht. Letztes Jahr habe ich mich dazu entschlossen habe, mit die saftigen grünen Wiesen selber anzuschauen.

Böll schreibt: „Als ich an Bord des Dampfers ging, sah ich, hörte und roch ich, dass ich eine Grenze überschritten hatte.“ Nun gut, meine Reise geht nicht übers Wasser, sondern durch die Luft. Bölls Erzählung ist ja nun auch schon über 50 Jahre her, so viel Nostalgie muss nicht sein. Eine Woche verbringe ich in Irland, zuerst drei Tage in Dublin, dann reise ich über Limerick an die Westküste und über Galyway wieder zurück nach Dublin.

Limerick, Irlands Prototyp einer "Arbeiterstadt"
Limerick, Irlands Prototyp einer „Arbeiterstadt“. Im Roman „Die Asche meiner Mutter“ von Frank McCourt kann man nachlesen, wie das Leben dort war.

Dublin – Epizentrum der irischen Kultur und Lebensfreude

Was soll man zu Irland Hauptstadt sagen? Bunt, quirlig, laut, toll! So viele bunte Pubs, rote Busse, farbige Schilder sieht man nirgendwo wie in Dublin. Dazu kommen die Menschenmassen: Irland hat die höchste Geburtenrate der EU, und das merkt man auch! Die Einkaufsstraßen sind voller kauflustiger Leute (Krise? Welche Krise?!), selbst an Sonntagen gehen die Iren einkaufen. Wobei man hier fair sein muss: Spuren der Krise kann man tatsächlich erkennen: Es gibt unheimlich viel Leerstand im Stadtbild, die „zu verkaufen“-Schilder sprechen eine deutliche Sprache.

 Mediterranes Ambiente im hohen Norden

Doch von solchen Umständen scheint sich das Völkchen nicht unterkriegen zu lassen: Abends wird in den Pubs gefeiert, in den Straßen wird Musik gemacht, spontan gesellen sich paar Jugendliche dazu und singen: Ein mediterranes Flair kommt auf, fast könnte man meinen, man sei in Italien oder Spanien. Aber nur fast, denn das Wetter ist in der Tat rau. Ich hatte Glück: Während meiner Reise hat es nur an zwei Tagen geregnet, dafür aber umso heftiger. Einmal hat es mich im wunderschönen Gebirge der Wicklow-Mountains erwischt. In der Nähe der Ruinen der Wohnstätten des heiligen Kevin aus dem sechsten Jahrhundert liegt der „Upper lake“ – profaner Name, dennoch wunderschön! (Und ja, es gibt auch einen „lower lake“).

Doch das Wetter im Gebirge kann schnell umschlagen: Innerhalb von wenigen Minuten türmen sich Wolken zusammen und es schüttet wie aus Kübeln, da zeigt Irlands Natur, dass sie durchaus zu recht als „unbändig“ und „unberechenbar“ angesehen wird. Besonders empfehlenswert ist Howth, eine kleine Halbinsel im Nord-Osten von Dublin, mit der DART-Bahn eine knappe halbe Stunde entfernt. Schon ist man an der See und kann das süße Hafenstädtchen erkunden oder umrunden. Man kann direkt an den Klippen an der ganzen Halbinsel entlang gehen: Spektakuläre Ausblicke sind garantiert!

Alles, was mit Kunst & Kultur zu tun hat, findet man in Dublin: Diverse Museen und Kirchen laden ein, keltische bis viktorianische Jahrhunderte zu entdecken. Die Museen kosten sogar keinen Eintritt (echt toll, wobei….wie ist Irland noch mal in die Krise geraten?….). Weiter geht’s nach Limerick: Eine nette Innenstadt mit Burg, Fluss und einer Kirche, der Rest ist hässlich. Na, kein Wunder, Limerick ist bzw. war auch die klassische Arbeiterstadt. „Die Asche meiner Mutter“ erzählt von einer schwierigen irischen Kindheit in Limerick. Die Iren haben in ihrer Geschichte erlebt, was Not ist.

Die Halbinsel Howth im Nordosten von Dublin
Die Halbinsel Howth im Nordosten von Dublin

Die Küste

Es regnet. Und es ist windig. Und ungemütlich. So sieht das typisch irische Wetter an der Westküste aus: Kalte Atlantikwinde wehen einem oder einer Sprühregen ins Gesicht. Jetzt zahlt sich die Investition in eine wasser- und windabweisende Jacke aus (Ha, die 80 Euro waren doch nicht für die Katz! Ich hatte bei dem Preis kurzzeitig daran gezweifelt…). Hier findet man endlich ein bisschen mehr Ruhe als im überdrehten Dublin (aber es sind immer noch viele Touristen da, es gibt überall Touristen!). Aber hier kann man auch mal wandern, ohne auf Menschen zu stoßen. Eine raue, herbe, unwirtliche Landschaft, trotzdem einfach faszinierend: Wie sich die Wolken zusammenballen und wieder auflösen, wie sich das Meer den Winden beugt und wie knallbunte Blumen innerhalb der grünen Wiesen dem Wind trotzen.

Und es ist wirklich wahr: Irland ist grün! Grüne Wiesen, sobald das Auge reicht. Schafe, die zwischen Steinmauern grasen. So stellt man sich Irland wirklich vor und so findet man es auch noch abseits der Städte. Sehr zu empfehlen ist die karge Landschaft des Burren: Eine Steinlandschaft, geschaffen von der letzten Eiszeit, als das Eis die Steine zusammengepresst hat. Ähnelt dem, was man sich unter einer Mondlandschaft vorstellt, ist aber keineswegs öde oder langweilig, sondern erstaunend: teilweise sehen die Steine wie mit dem Lineal gezogen aus und man kann überall kleine Pflanzen zwischen den Steinen herausgucken sehen.

Zurück in der Zivilisation

Galway ist eine kleine, süße, bunte Stadt mit einem tollen Stadtmuseum und leckeren Cafés. Das ist die Erkenntnis von einem Tag in Galway, denn schon geht es zurück nach Dublin, wo ich in eine Tierschutz-Demo reinstolpere. Respekt, es gibt anscheinend Iren, die nicht nur ihre Zähne in etwas hineinschlagen wollen, das einmal gelebt hat. Ich bin beeindruckt! Aber VegetarierInnen können beruhigt sein: Es gibt genug nicht-fleischliches zu essen: gute Fritten, leckere Sandwiches und natürlich hat Alkohol auch Kalorien…

Morbider Charme in Glendalough - dem Ort der zwei Seenn
Verwitterte Grabsteine in den Wicklow Mountains – hier hat der heilige Kevin im 6. Jahrhundert gelebt.

Minus:

Leider sind alle schönen Ziele von Touristen überschwemmt, das war eine herbe Enttäuschung. Nichts von wegen Einsamkeit und Mystik – zumindest die Stellen, die in irgendeiner Weise in einem Reiseführer erwähnt werden, teilt man sich mit Familien mit kleinen, weinenden, zankenden Kindern, die natürlich noch mit dem Hund da sind, asiatischen Reisegruppen (ich hasse es, Klischees bestätigen zu müssen, aber die machen echt viele Fotos!) und Unmengen an Deutschen. Es ist unglaublich: Selbst im hintersten Kaff kann man noch Deutsche kennenlernen. Ja, es stimmt: Wir sind nicht nur Papst, wir sind auch Reiseweltmeister. Witzig, aber irgendwann nervt es auch, (gefühlt) an jeder Ecke auf deutsche Touristen zu treffen.

Plus:

Die Touristenhorden haben auch Vorteile: Es ist so leicht wie nie, mit fremden Leuten ins Gespräch zu kommen. Auch wenn man alleine reist, findet man immer jemanden, mit dem man sich unterhalten kann (zumindest wenn man häufig in Hostels unterwegs ist). Ich habe mich noch nie mit so vielen jungen Leuten aus so vielen verschiedenen Ländern unterhalten: Grandios!

Nicht verpassen:

Eigentlich völlig unnötig, das zu erwähnen, aber gutes irisches Bier trinken und dabei einigen TänzerInnen auf der Bühne zuzusehen, ist schon ein großer Genuss. Der irish dance erfordert viel Geschicklichkeit und Schnelligkeit und die irische Musik hat von tieftraurig-melancholisch bis fröhlich-ausgelassen alle Facetten!

Wer Irland mag, wird auch Schottland lieben! Hier geht es zu meinem Reisebericht zu meiner Wanderwoche in Oban.